Was für eine Freude! "Das Leben der Anderen" hat einen Oscar gewonnen! Wunderbar, dass deutsche Filme außerhalb der Grenzen auch bewegen können, wenn es nicht um das dritte Reich geht. Ulrich Mühe glänzt in jeder Szene. Großartige Dialoge, die mehrere Tage im Kopf gleiben und zum Nachdenken anregen. Perfekte Kamera und ein brillianter Soundtrack. Authentische Requisite und Kullissen, ohne ostalgisch zu wirken. Eine wunderbar tiefgründige und umseitige Darstellung des Themas DDR-Regime ohne belehrend zu wirken. Und eine Umsetzung, die offensichtlich auch berührt, wenn man weder in Deutschland noch in totalitären Systemen aufgewachsen ist, weil im Grunde es um Moral, Anstand, Macht, Gewissen und Liebe geht. Was für eine Freude!
Denk ich an Deutschland in der Fastnacht
Manchmal habe ich die Hoffnung, dass Deutschland besser wird - oder zumindest nicht mehr so peinlich. Anzeichen dafür gibt es ja. Jan Delay und Seeed sind oben in den Musikcharts, zumindest in Berlin kann man jetzt auch nachts einkaufen gehen, Filme wie "Das Leben der Anderen" sind erstaunliche Machwerke aus unserem Land, man erkennt deutsche Touristen manchmal erst auf den dritten Blick im Ausland, zarte Pflänzchen einer Gratwanderung zwischen einer multikulti-beeinflussten, offenen Gesellschaft und einem gesunden Nationalbewusstsein wachsen heran.
Und dann sehe ich im Fernsehen "Düsseldorf Helau" und alle Hoffnungen sind verflogen.
Interessante Fragen zum Thema Karneval, die heute Grissemann & Stermann in der 11-Jahre-Jubiläums-Show Royale auf Radio Eins vorgestellt haben:
Verkleiden sich Berufsgruppen, die von Hause aus verkleidet sind, auch zu Karneval? Gehen Polizisten beispielsweise als Krankenschwestern? Der Papst als Kardinal? Gehen Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt als Hippies? Oder Axel Schulz als Boxer?
Die vielbeworbene neue Musikvielfalt in der Berliner Radiolandschaft scheint sich in einem gefühlten Phil Collins-Songanteil von nur noch 50 % niederzuschlagen.
Oh, think twice; it’s just another day in paradise.

